Description
Wissenschaftliche Forschung ist an spezifische Orte, Zeiten und Praktiken gebunden, die durch unz?hlige explizite und implizite Regeln eingegrenzt werden. Was aber geschieht, wenn diese Konfigurationen auseinanderbrechen? Friedrich Cain untersucht dies anhand der Forschungen, die polnische Wissenschaftler im Verborgenen durchf?hrten, als das Land im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung stand. Alle polnischen Bildungseinrichtungen und Forschungsst?tten wie Schulen, Akademien und Universit?ten, aber auch Bibliotheken und Labore wurden geschlossen und blieben 'nur f?r Deutsche' zug?ngig, denn ein 'Arbeitervolk', so die Rassentheorien der Besatzungsmacht, brauche keine h?heren Kultureinrichtungen. Viele polnische Wissenschaftler wandten sich jedoch gegen die Verbote und versuchten weiter wissenschaftlich zu arbeiten. Neben der Organisation geheimer Seminare im Rahmen sogenannter Untergrunduniversit?ten gelang es in nahezu allen Disziplinen klandestin zu forschen. Die Studie folgt soziologischen Untersuchungen einer Gesellschaft unter Besatzungsbedingungen, medizinischen Forschungen zur Hungerkrankheit und zum Fleckfieber sowie der Einrichtung physikalischer Experimentalzusammenh?nge in Warschau, Krakau, Lemberg und anderswo. Versteckt in Privatwohnungen, getarnt als offizielle Unternehmen oder an der Schwelle zwischen deutscher Administration und polnischem Untergrund wurden gewohnte Infrastrukturen, also das Arsenal von Ger?ten, B?chern, Techniken und Tugenden neu organisiert. All dies hatte spezifische epistemologische Auswirkungen, etwa wenn Projekte abgebrochen, neu eingerichtet oder in der 'Laborsituation des Krieges' dynamisiert wurden. H?ufig f?hrte dies zur politischen Aufladung wissenschaftlicher Neutralit?tsgebote und musste mit den politischen und moralischen Narrativen des polnischen Widerstands in Einklang gebracht werden.
Binding: Hardback
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